Produktinformationsblatt – Versprochen ist versprochen!

Produktinformationsblatt – Versprochen ist versprochen!

Böse Zungen behaupten, die eigentliche Bedeutung von WWW steht für Warten, Warten, Warten.

50 MBit/s verspricht der DSL-Anbieter in der Werbung – grundsätzlich erstmal OK. Gefühlt ist es allerdings deutlich weniger. Alles ist irgendwie zäh. Speedtests bestätigen das Gefühl. Mal 20, mal 10, manchmal 45 MBit/s – oftmals abhängig von der Uhrzeit – irgendwas stimmt hier nicht!

Zur Sicherheit nochmals ein Blick in die Vertragsunterlagen und ins Kleingedruckte – schließlich hatte ich doch 50 MBit/s bestellt. In den Unterlagen ist die Rede von “bis zu” und “maximal”. Ja, was denn nun? 50 MBit/s oder nicht? Ich sag mal so: Kommt drauf an.

 

Lieblingsvergleich “Auto”

Du möchtest ein Auto kaufen und sagen wir mal die Höchstgeschwindigkeit und der Verbrauch sind zwei wichtige Kriterien für Dich. Also schaust Du zunächst in den Prospekt des Herstellers.

Beliebiges Beispiel: VW Golf TDI SCR, Höchstgeschwindigkeit 230 km/h. Zusätzlicher Hinweis: “*12”:

Die Werte gelten nur für Fahrzeuge mit einem eingefahrenen Motor und optimalen Fahrbahn- und Witterungsbedingungen.

Übertragen auf unseren VDSL50-Anschluss: OK, der Router muss korrekt konfiguriert und die Verkabelung zu Hause muss einwandfrei sein.
Haken dran, das ist machbar.

Allerdings ist es beim VDSL-Anschluss eher wie bei der Angabe zum Kraftstoffverbrauch.
Immer noch unser Beispielfahrzeug: VW Golf TDI SCR. Zusätzlicher Hinweis: “*13” (kleiner Auszug):

Die angegebenen Verbrauchs- und Emissionswerte wurden nach den gesetzlich vorgeschriebenen Messverfahren ermittelt. […]. Sie dienen allein Vergleichszwecken zwischen den verschiedenen Fahrzeugtypen. Zusatzausstattungen und Zubehör (Anbauteile, Reifenformat usw.) können relevante Fahrzeugparameter, wie z. B. Gewicht, Rollwiderstand und Aerodynamik verändern und neben Witterungs- und Verkehrsbedingungen sowie dem individuellen Fahrverhalten den Kraftstoffverbrauch, den Stromverbrauch, die CO₂-Emissionen und die Fahrleistungswerte eines Fahrzeugs beeinflussen.

Die weite Auslegung des alten NEFZ Regelwerkes für Kraftstoffverbräuche brachte die Kfz-Hersteller auf folgende Ideen, um den Verbrauch auf dem Prüfstand möglichst gering zu halten (Wikipedia)

  • Keine Nachladung der Fahrzeugbatterie während des Zyklus (mit anderen Worten: die Lichtmaschine wird während des Zyklus abgeklemmt).
  • Abkleben von Fugen der Außenhülle.
  • Veränderung der Spur- und Sturzeinstellung der Räder.
  • Erhöhter Luftdruck in den Autoreifen.
  • Verwendung des minimalen Fahrzeuggewichtes.
  • Abzug der 4%igen Toleranz auf den Messwert.
  • Vermeidung von schleifenden Bremsen.
  • Anpassung der Motorsteuerung

Das ist nicht praxistauglich – oder klemmst Du die Lichtmaschine nach dem Start ab? – verfälscht die echten Werte und streut dem Verbraucher Sand in die Augen. Die Problematik, dass die angegeben Kraftstoffverbräuche zu deutlich von den Herstellerangaben abweichen, hat schon viele Gerichte beschäftigt.

Übertragen auf VDSL50-Anschluss wäre es in etwa so: Die 50 MBit/s kommen bei Dir an, wenn die Kupferleitung ins Haus nicht zu alt ist, Deine Nachbarn Dir parallel nicht zu viel Bandbreite wegsaugen und Du nicht allzu weit vom letzten Verteiler entfernt wohnst – ja, dann – und nur dann – schaut es gar nicht so schlecht mit den bis zu 50 MBit/s aus. Garantieren wird das sowieso niemand.

Auch mit dem Thema fehlender, aber vollmundig versprochener Bandbreite haben sich schon diverse Verbraucherschutzorganisationen und Gerichte auseinandersetzen müssen.

 

4 Brötchen bekommen, aber 10 bezahlen – Vielen Dank für Ihre Bestellung!

Ach ja, hätte ich fast vergessen – die Bezahlung. Bezahlen bitte immer den vollen Preisegal was ankommt. Schließlich hast du ja VDSL50 bestellt, also bitte auch entsprechend bezahlen. Hier liegt der Vergleich zum Bäcker näher:

Stell Dir vor, Du bestellst und bezahlst 10 Brötchen, bekommst aber nur 4 Brötchen in Tüte. Huch, das würde früh morgens schon zu sehr unangenehmen Diskussionen, in der sonst so gemütlichen Atmosphäre einer Bäckerei, führen. Und jetzt stell Dir vor, dieses Vorgehen wäre kein Einzelfall – diese Bäckerei macht das regelmäßig. Blöd nur, wenn es der einzige Bäcker weit und breit ist.

Zumindest für Internetanschlüsse gibt seit Mitte 2017 eine Hilfestellung für die Verbraucher.

Das Produktinformationsblatt – kurz PIB – ist Teil der TK-Transparenzverordnung.

Die TK-Transparenzverordnung verfolgt das in § 45n TKG festgelegte Ziel des Gesetzgebers, dem Verbraucher im Telekommunikationsmarkt eine transparente, vergleichbare, ausreichende und aktuelle Information in einer klaren, verständlichen und leicht zugänglichen Form bereitzustellen.

Jeder Telekommunikationsanbieter ist dazu verpflichtet, ein solches PIB für jeden seiner Tarife bereitzustellen.
Jetzt weiß man schonmal vorher, das der Bäcker möglicherweise nur 4 statt 10 Brötchen in Tüte packt.

In einfachen Worten werden die Eigenschaften des Tarifes(!) beschrieben. Dazu kommen Angaben wie Mindestvertragslaufzeit und Kündigungsfristen.

Auch der wichtige Aspekt der Bandbreite wird beschrieben. Die Bandbreite sowohl im Download, als auch im Upload angegeben wird hier ausgewiesen. In diesen drei Stufen:

  • Maximal
  • Normalerweise zur Verfügung stehend
  • Minimal

Hier die Definition von “normalerweise”:

Der Begriff der „normalerweise zur Verfügung stehenden Datenübertragungsrate“ entspricht dem Wert, den Endkunden des bestellten Produktes meistens erwarten können, wenn sie auf den Dienst zugreifen.
(Ein Auszug aus der “Anleitung zur Erstellung von Produktinformationsblättern gemäß §1TK-Transparenzverordnung (TKTransparenzV)

 

Megabit mit Zuckerguss

Für die aktuell vermarkteten Tarife müssen jeweils die PIBs vorgehalten werden. Die Information zu nicht mehr vermarkteten Tarifen, findet sich in der Regel in einem Archiv auf der Webseite des Anbieters.

Bezüglich der unterschiedlichen Tarife und Bandbreiten wird damit ein echter Vergleich möglich. Nun kann man Äpfel mit Äpfeln vergleichen – anbieterübergreifend.

Werbebotschaften sind immer so eine Sache, da wird oftmals mit viel blumigen Botschaften gearbeitet – verlass Dich nicht blindlings darauf. Die PIBs ein Werkzeug um die Aussagen zumindest grob im Vorfeld zu überprüfen.

Es ist aber KEINE Garantie, dass die Werte genau an Deinem Anschluss erzielt werden.
Auch leiten sich nicht automatisch Rechte für Dich als Endkunde ab.

Dennoch ahndet §13 der TKTransparenzV Verstöße gegen die Informationspflichten als Ordnungswidrigkeit.

 

Vorteil Glasfaser

Das PIB hat grundsätzlich nichts mit der eingesetzten Technologie beim Kunden zu tun. Kupfer, Koax, Funk oder Glasfaser – das PIB sagt nicht aus, was technisch machbar ist, sondern welcher Tarif, mit welchen Eigenschaften angeboten wird.

Bei näherem Hinsehen der PIBs stellt ein klarer Vorteil der FTTH-Technik heraus. Die Differenz zwischen “minimal”, “normalerweise” und “maximal” ist deutlich kleiner und weniger variabel. Bei manchen Angeboten sind sogar alle drei Werte identisch – die Bandbreite somit faktisch garantiert.

PIBs zu DSL- und Koax-Angebot haben eine deutlich größere Differenz zwischen den Stufen “minimal”, “normalerweise” und “maximal”. Auch wenn für solche Tarife gerne mit Begriff “Glasfaser” geworben wird – ein Teil der Strecke ist ja auch aus Glasfaser – so bildet die letzte Meile aus Kupfer den Flaschenhals. Und diese Problematik wird sich in den kommenden Jahren noch deutlich verschärfen, wenn kontinuierlich immer höhere Bandbreiten notwendig werden.

 

Grundpreisangabe – Preis pro MBit/s

Bürgerinitiativen haben es bei Ihrer Aufklärungsarbeit rund um das Thema “FTTH” oftmals mit sehr preissensiblen Bürger zu tun. Daran ist grundsätzlich auch nichts Falsches, jeder von uns kann sein Geld nur einmal ausgeben.

Im Supermarkt ist seit vielen Jahren der Grundpreis eine hilfreiche und aussagekräftige Information für uns Verbraucher. Die Preise der Produkte werden auf 100 Gramm oder ein Kilogramm umgerechnet und ausgewiesen. So wird der Preisvergleich beim gleichen Produkt über verschiedene Anbieter einfach möglich – selbst bei unterschiedlichen Packungsgrößen.

Übertragen wir das Beispiel auf den Preis pro MBit/s.

Und da braucht man keine komplizierte Rechnung – ein Blatt Papier und Bleistift (… und ein Taschenrechner … :-)) reichen aus. Dabei nehme ich in meiner Beispielrechnung für den DSL-Anbieter den bestmöglichen Fall (= maximale Bandbreite) und den FTTH-Anbieter den schlechtesten Fall (= minimale Bandbreite). Da die jeweiligen Anbieter und Tarife lokal variieren, hier ein praxisnahes Beispiel mit den fiktiven Anbietern “Kupfer” und “FTTH”.

Der Einfachheit halber sind die Preise gerundet. Weitere Rahmenbedingungen wie einmalige Anschlussgebühren oder Optionen wie eine Telefonflatrate müssen im Einzelfall ggf. zusätzlich betrachtet werden. Hier geht’s ums Prinzip:

  • Tarif Anbieter Kupfer “VDSL50”: 50 MBit/s down, 10 MBit/s up – 6 Monate je 20 €, 18 Monate je 45 €
  • Tarif Anbieter FTTH “FTTH400”: 370 Mbit/s down, 175 MBit/s up – 12 Monate 25 €, 12 Monate je 50 €

In absoluten Zahlen gewinnt diesen Vergleich der FTTH-Anbieter mit Gesamtkosten von 900 € zu 930 €.
Aber mit 30 € Kostenvorteil über 24 Monate lockt man niemand hier dem Ofen hervor.

Rechnen wir weiter.

Aus den Zahlen ergibt sich folgender monatlicher Durchschnittspreis:

  • Anbieter Kupfer: 930 € / 24 Monate = 38,75 €
  • Anbieter FTTH: 900 € / 24 Monate = 37,50 €

Und jetzt der Preis pro MBit/s betrachtet

Welche Bandbreite bekomme ich für einen Euro?

  • Anbieter Kupfer: 38,75 € für 50 MBit/s = 1,29 MBit / €
  • Anbieter FTTH: 37,50 € für 370 MBit/s = 9,86 MBit / €

Vorteil FTTH: Faktor 7,65!

 

Und das war nur der Download! Beim Upload wird’s noch offensichtlicher:

  • Anbieter Kupfer: 38,75 € für 10 MBit/s = 0,26 MBit / €
  • Anbieter FTTH: 37,50 € für 175 MBit/s = 4,67 MBit / €

Vorteil FTTH: Faktor 17,96!

 

Zum Vergleich nochmals zurück in die Bäckerei.

Du kommst mit Mordshunger ins Geschäft, den ganzen Tag noch nichts Ordentliches gegessen.
In der Auslage zwei Brötchen, beide kosten einen Euro.

(1) Ein kleines, einfaches Brötchen, staubtrocken ohne alles.

oder alternativ und zum gleichen Preis

(2) Ein belegtes Mehrkornbrötchen, frischer Salat, Aufschnitt nach Deinem Geschmack.

Ein recht einfache Entscheidung, außer es steht einem gerade der Sinn nach einfachen, staubtrockenen Brötchen.

 

Volltanken bitte

Weitere Parallele zum Auto und nächster Vergleich: Benzinpreise. Jetzt wird die Diskrepanz noch offensichtlicher.

Da werden jährlich tausende Kilometer Umweg gefahren, um ein paar Cent zu sparen. Und viele Bürger bekommen beim Blick auf die Preistafel erhöhten Blutdruck.

Stell Dir mal vor, Du müsstest auf der Datenautobahn tanken und zwei Tankstellen liegen direkt nebeneinander. Du brauchst nicht mal einen Umweg zu fahren und kannst frei wählen.
An der Tafel wird der Preis anzeigt: Cent pro MBit/s. (ausgehend vom vorgenannten Preismodell)

– Tankstelle Kupfer: 77,5 ct / MBit
– Tankstelle FTTH: 10,1 ct / MBit

Hier würde niemand überlegen, wo er tanken würde, die Antwort ist klar.

Auch meine Entscheidung ist in beiden Fällen eindeutig:

Ich sehe mich schon beim Tankstopp an der FTTH-Tanke genüsslich mein Mehrkornbrötchen verputzen und danach mit Vollgas auf den Datenhighway durchzustarten.

Und Du?

 

Fazit

Leider vergleichen viele Bürger in Diskussion um FTTH Äpfel mit Birnen bzw. Kupfer mit Glasfaser. Einem oftmals relativen kleinen Aufpreis (wenn überhaupt) steht ein mehrfaches an gebotener Leistung gegenüber. Von Aspekten wie der langfristigen Zukunftssicherheit mal ganz abgesehen.

Das Produktinformationsblatt ist ein sinnvolles Hilfsmittel, um sich im Vorfeld zum gewünschten Tarif zu informieren, auch wenn es kein Garantieversprechen darstellt.

Der Preis ist zweifelsohne ein wichtiges Entscheidungskriterium für viele Käufer. Heruntergebrochen auf den Grundpreis pro MBit/s relativiert sich so mancher Preisvergleich zwischen DSL/Coax und FTTH – zum Vorteil für FTTH.

Die Bäckerei, welche 4 Brötchen zum Preis zum 10 verkauft und die Tankstelle mit den horrenden Preisen hätten in der Realität keine Chance.
Hier würde der Verbraucher klare Kante bekennen und solchen Anbietern die kalte Schulter zeigen.

Beim Internetanschluss ist es nicht ganz so einfach.

Um bei dem Bild zu bleiben: Oftmals gibt vor Ort nur den alteingesessen Bäcker und die Tanke an der Durchfahrtsstraße – ohne Konkurrenz weit und breit.

Sollte sich in Deiner Gemeinde die Chance auf einen FTTH-Ausbau ergeben, so setze Dich engagiert für dieses Projekt ein. Durch Dein Engagement hast Du die besten Karten, dass das Projekt erfolgreich wird.

Interessanter Nebeneffekt bei solchen Projekten: Du wirst Dich wundern, wie kundenfreundlich der alteingesessen Bäcker und die mürrische Bedienung an der Tanke plötzlich werden, wenn auf einmal frische Mehrkornbrötchen und günstiger Sprit von den Mitbewerbern angeboten werden.

Das wirkt Wunder – immer wieder überraschend!

 


 

Links zu den PIB-Seiten der einzelnen Anbieter:

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Von |2019-03-21T10:32:45+00:0008.03.2019|1 Kommentar

Ein Kommentar

  1. Wolfgang Jäger 12. März 2019 um 12:53 Uhr - Antworten

    Es ist noch ein langer Weg bis zum flächendeckenden Breitbandausbau. Die Kurzformel lautet:

    Koaxial (cu) war einmal,
    Hybrid ist immer „shit“,
    FTTH – alles klar.

    Solange die grossen Kabler ihr CU-Kabel weiter immer wieder wiederbeleben und die Werbeslogans mit Giganetzen 600Mbit meinen, andere mit „kupferfreiem Glasfaserkabel“, Kupferglasfaserkabeln und Locktarifen für die ersten 3,6,12 Monate werben (dürfen) wird sich nur langsam etwas tun. Anstelle von „bis zu“Tarifen sollte man auf mindestens xxxMbit umstellen und Strafentgelte bei Unterschreitungen festlegen ..dann gäbe es eine echte Chance.

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